02.09.2016 - 15:31

Madagaskar hat eine sehr große musikalische Bandbreite. Hier ein Einblick in die alternative Musikszene, die durchaus für Überraschungen gut ist!

Bei einer Google-Suche „Musik Madagaskar“ kommen fast ausschließlich Vorschläge bezüglich der Filmmusik des Animationsfilms. Das ist schon bitter. Um der Suchmaschine etwas mehr Inhalt zu liefern, wird hier ein besonderes Musikgenre der extrem facettenreichen madagassischen Musikkultur vorgestellt: Metal.

Versuch einer musik-historischen Einordung.

Heavy Metal ist ein Musikgenre, das seit den 1960er Jahren in Madagaskar existiert. Im Laufe der Jahrzehnte entwickelte sich die Szene von einer von Randbewegung zu einem emanzipierten individuellen Musikgenre. Die bekanntesten Gruppen sind die in den 80ern bekannten Gruppen Doc Holliday und Apost und aktuelle Gruppen wie Kazar, Dillie oder AngAroA. Metal wird in diesem Text (ohne musikwissenschaftliche Genauigkeit) im weiten Sinne verstanden und damit auch als Synonym für Hard Rock und weitere Metal – Untergruppen (black metal, death metal, doom metal, thrash metal, metal progressif,  speed metal) benutzt.

Urbane Musikbewegung mit universalistischem Anspruch.

„Metal malagasy“ ist hauptsächlich eine urbane Bewegung (immer mehr Menschen wohnen in Städten, aber 75% der Bevölkerung leben in ruralen Gebieten). Alle bekannten Bands sind auf den Bühnen Antananarivos bekannt geworden. „Metal gasy“ ist allerdings keine elitäre Musikbewegung, sondern bedient verschiedene gesellschaftliche Klassen. Metal ist hier auf der großen Insel, ein „universalistisches“ Musikgenre. Universalismus, im Sinne von einer Botschaft, die für alle bestimmt ist und nicht auf eine spezifische soziale Klasse beschränkt ist.

Metal in Madagaskar ist durch mehrere Besonderheiten gekennzeichnet:

  1. Affirmation der eigenen Landessprache. Die Texte vieler Gruppen sind auf Madagassisch. Metal kann hier als Protest gegen die Frankophonie (kolonial, elitär, urban) gesehen werden. Madagaskar ist offiziell frankophon, jedoch sprechen nur 15% der Bevölkerung die Sprache. Im Gegensatz zu den meisten europäischen und amerikanischen Bands, sind die Texte nicht auf Englisch. Der musikalische Haupteinfluss kommt dennoch zweifelsohne von anglophonen Bands wie AC/DC, Led Zeppelin, Metallica, Black Sabbath.
  2. Feminismus. Die Gruppe „Dillie“ ist die erste und (wohl auch einzige) ausschließlich aus Frauen bestehende afrikanische Metallband.
  3. Sozialkritik. Viele Bands haben gesellschaftskritische Texte. Dillie kritisiert in ihren Texten zum Beispiel das westliche Entwicklungsmodel und die Terminologie, die Madagaskar als „unterentwickeltes Land“ und als „am wenigsten fortgeschritten“ bezeichnet. Metal ist aus einer soziologischen Perspektive, eine Bereicherung des kulturellen Kapitals des Landes. Die Metalbewegung in Madagaskar zeichnet sich durch eine Protestkultur aus. „Metal gasy“ ist eine non-konformistische Bewegung, die sich symbolisch (durch Kleidung, Habitus,…) von den politisch-wirtschaftlich dominanten Klassen abgrenzt.

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